Yogaarten - Nadh Yoga / Mantra Yoga


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Schwerpunkt: Mantren sind ein geistiges Werkzeug, eine Konzentrationshilfe

Durch die Gewohnheit Mantras zu singen gewinnen wir nicht nur darin Sicherheit unsere Stimme zu gebrauchen, sondern finden auch zu mehr Selbst-Sicherheit in unserem Leben.

Bei der Ausübung der „spirituellen Disziplin“ Nadh-yoga (Mantra-Yoga) geht es um die Entwicklung und Integration unserer Persönlichkeit und um die Heilung des Selbst. Mantras sind ein geistiges Werkzeug, dessen Anwendung sehr einfach ist, doch es braucht wiederholtes Üben, dann zeigt es Wirkung.

Beobachtbare Wirkungen der Mantrapraxis sind Beruhigung der Gedanken bis hin zur „Reinigung“ des Geistes, z.B. von unnötigen oder quälenden, selbstschädigenden Gedankenmustern. Das Mantrachanten wirkt auch spürbar harmonisch auf Seele und Körper.
Die harmonisierenden Auswirkungen zeigen sich meist bei den ersten Erfahrungen mit dem Chanten: Während des Mantra-Singens, doch besonders am Ende des Gesanges spüren die meisten Menschen einen Zustand der Freude, der inneren Gelassenheit, bis hin zum Gefühl der Gnade, des gesegnet sein – die uralte Mantrasprache Sanskrit bezeichnet diesen Zustand mit „Ananda“, d.h. Glückseligkeit.

Auf dem Wege der Mantra-Meditation zu Erkenntnis oder auch zur Erleuchtung begegnen uns jedoch auch völlig alltäglliche Gefühle und Muster. Je nach Charakter empfinden wir während des Singens anders. Fragen tauchen auf, Bilder oder Erinnerungen lenken uns ab, Zweifel, Sorgen melden sich an, der Körper beginnt zu zwicken. Wir wollen nicht um jeden Preis weiter machen – klar, wenn die Beine einschlafen, brauchen sie eine andere Position. Aber wir wollen auch nicht beim ersten Gefühl der Langeweile aufgeben!

Es geht um das Erlernen von Konzentration, um die Kontrolle unserer Gedankenkraft. Dem Kommen und Gehen der Gedanken sind wir oft nur ausgesetzt, doch wir können lernen sie zu lenken und den Gedankenstrom sinnvoll zu steuern. Dann wird der Verstand zu einem Verbündeten und das Singen zu einem Genuß...

Konzentriere dich auf die genaue Aussprache der Worte, auf die Art, wie du die Worte formst mit dem Mund, der Zunge, mit dem Atem.
Konzentriere dich auf die Resonanzräume in deinem Körper - übe dich während des Singens in umfassender Bewußtheit und Sinneswahrnehmung.
Übe dich in Mitgefühl und Toleranz gegenüber dir selbst und den anderen Singenden. Falls sie den Ton nicht treffen, oder sich bewegen oder du aus dem Takt fällst. – Akzeptiere, sei im Hier und Jetzt gegenwärtig ohne zu urteilen.
Übe dich in Hingabe – atme tief, spüre deinen Herzbereich, lass den Körper weich sein, aufgerichtet und gerade – versuche deine Augen auf das dritte Auge zu fokusieren und gleichzeitig in Herz und Bauch bewußt zu werden.
Sollten deine Gedanken dich auf eine Reise mitnehmen – genieße es, jedoch kehre zu der körperlichen Bewußtheit zurück, das erdet dich. Die Erfahrung von Reisen oder Bildern mag schön und sensationell sein, und vielleicht erhältst du auch hellsichtige Erkenntnis – jedoch halte ich es für immens wichtig, dass dieser Körper, das seelische Zuhause für dieses Leben ist und du ihm liebevolle, nährende Aufmerksamkeit schenkst. Bevor du das hohe, aber unserer Kultur fremde Ideal der Askese erfüllen kannst, ist es gut einige Erfahrung mit dem Fühlen zu haben, denn dann wird eine spirituelle Erfahrung dich bereichern und auch für andere nachvollziehbar sein.
Vielleicht wird aus diesen Worten klar, dass ich an die Verwirklichung paradiesisch anmutender Harmonie von Körper Geist und Seele hier und jetzt, in dieser Kultur glaube...

Wir sitzen, wir singen und unsere Seele singt – dort entfaltet sich die tiefste Wirkung des Mantras. Im seelisch-spirituellen Bereich der Welt sind wir alle miteinander verbunden.
Im Bewußtsein, dass du Teil der grossen, ganzen Schöpfung bist, lass alle Sorgen gehen, lass die Gedanken ziehen; alles fügt sich zum Guten, wenn du im Fluß bist.

Das Bild des Flusses passt sehr gut auf deine Stimme – lass sie weich sein, deinen ganzen Körper ausfüllen. Lass deine Stimme, deinen ganz persönlichen Klang, mit dem Atem aus dir heraus fliessen. Schöpfe wieder tiefen Atem, nähre dich an ihm. Das Einatmen ist pure energetische Nahrung.
Du erschaffst dich neu mit jedem Atemzug.

Genieße nach dem Chanten die Stille – denn da kannst du wahre Meditation finden und zu Ananda, Glückseligkeit aufsteigen. Dieser Moment der Stille; in dem sich alles wandeln kann. Hier und Jetzt. Nimm die Kraft der Stille in dich hinein mit deinem Atem, in deine Lungen, in dein Herz, in deinen Bauch (dein Hara), deinen ganzen Körper, dein Sein. Die Lebenskraft erfüllt dich und du bist ein Teil von ihr. Sie macht dich neu, hilft deine Pläne und Absichten zu klären, lädt diese mit Energie auf und hilft den Wesen, an die du denkst, zur Heilung zu finden.

Singe in Gedanken an deine Ahnen, deine Herkunft und den Weg auf dem du gehst.
Singe für all die, mit denen du verbunden bist, besonders auch die mit denen du Stress empfindest. Singe für deine eigene Klarheit und Heilung, singe für Schutz.
Visualisiere das wofür du singst, singe Fotos an, singe mit Bäumen, Pflanzen und Tieren. Du kannst Mantras zu den verschiedensten Absichten finden, für besseres Lernen, für Frieden, für Reichtum, für eine/n LebenspartnerIn – solange deine Absichte zum Wohle des Ganzen sind, „lohnt“ es sich zu singen.

Das Singen ist an sich ein schöpferischer manifestierender Prozess und du wirst wundervolle Erfahrungnen machen.
Das Singen um des Singens willen – klingt das nicht wunderbar?
Es geht nicht darum etwas zu verändern, zum Helden zu werden, besonders zu sein.
Es geht nur darum, in der höchsten Absicht, zum Wohlergehen aller Wesen zu bleiben.
Dann ist es ein Prozess des Gebens und der Hingabe – Ein spirituelles Gesetz lautet: wer gibt, dem wird gegeben werden. Die yogische Philosophie geht sogar so weit zu sagen, wer aus freiem Herzen gibt, dem wird das Universum zehnmal zurück geben.

Mantrasingen lässt sich auf viele Arten im Alltag verwirklichen. Da sind der Kreativität auch wenig Grenzen gesetzt. Es gibt auch viel gute Cds oder Kassetten wo wir mitchanten können. Das (tägliche, bzw. regelmässige) Sitzen soll also kein Stress sein, jedoch bemühe dich um Aufrichtung und Geradheit in deinem Körper und im Handeln. Das seelische Potential ist das göttliche und es ist unermesslich.

Ich wünsche euch viel Freude beim Chanten.

Narbhavie – möge Gutes geschehen, möge Gutes sich durchsetzen

Michael Schönen

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